und seine Geschichte
Erlbach, am Südhang des Jura gelegen, hat derzeit 84 Einwohner. Die Endung- bach deutet auf eine Besiedlung um das 6./7. Jahrhundert nach Christus. Namensgebend war, so ist anzunehmen, ein kleiner Fluss, der Vorgänger des heutigen Giesgrabens.
Die Herrscher des umgebenden Landes waren zunächst die Graisbacher, dann die Wittelsbacher und schließlich die Fürsten von Pfalz-Neuburg. Erlbach selbst war seit altersher als Teil der Hofmark und durch die Pfarrer eng mit Bertoldsheim verbunden. So weit feststellbar, hatten die Gutsbesitzerfamilien von Waller, von Ellrichshausen, von Berling, von Isselbach, von Hornstein, von Eckart bzw. Du Moulin-Eckart auch in Erlbach das sagen, bis 1848.
Urkundlich wird Erlbach erstmals am 25. Juni 1314 in einer Urkunde des Bischofs Philipp von Eichstätt genannt „ in villa Erlbach“. Weitere Urkunden datieren vom 19.Januar 1315, 06. Februar 1315 und aus dem Jahr 1324. Aus der Folgezeit ist wenig bekannt. Mit Beginn des 19.Jahrhunderts werden die Quellen wieder reichlicher:
So wird berichtet, dass die St. Anton Kapelle im Jahr 1819 von der Gemeinde Erlbach neu erbaut wurde. Den Platz erhielt die Gemeinde als Schenkung von Karl Meier, Hs.Nr. 14 in Erlbach.
Auf Bitten und nach Errichtung einer Kirchenstiftung erlaubten das Vikariat des Bistums Augsburg und der Grund- und Gerichtsherr General von Eckart im Jahr 1822, dass in der Kapelle Messen gelesen werden dürfen.
Das Grundsteuer-Kataster Erlbachs von 1833 zählt zwei Höfe, 17 Sölden (kleine Anwesen) sowie die Kapelle, das Armenhaus und das Hirtenhaus auf.
Oftmals war man sich mit der Gutsherrschaft nicht einig, wenn es um das Hüt- und Weiderecht, die gutsherrliche Erbhöferei oder das Gnäckvieh- und Streurecht ging. Am 14. Juli 1905 zum Beispiel entschied das Oberlandesgericht Nürnberg als Fideikommissgericht, dass aus dem Wald am Ziegelschlag, Pl.Nr. 444. 1,32 Tagwerk der Gemeinde Erlbach seit altersher zustehen und nicht der Familie Du Moulin-Eckart. Der Anspruch der Gemeinde Erlbach auf dem Besitz der Pl.Nr. 508 1/3 im Kuchelholz aber wurde, weil rechtlich bedeutungslos, abgewiesen.
1945 hatte sich Erlbach zeitweise um die Unterbringung und Verpflegung von 500 polnischen Kriegsgefangenen zu kümmern. 1946 kamen rund 70 Heimatvertriebene und Flüchtlinge ins Dorf, von denen aber nur drei ansässig wurden.
Finanzielle Herausforderungen für die Gemeinde waren 1959-1964 die Flurbereinigung mit dem Ausbau der Verbindungswege nach Rennertshofen und Trugenhofen, die zentrale Wasserversorgung und 1967/68 der Straßenbau im Ort.
Die Feuerwehr ist der einzige Verein. Die Veteranen, Soldaten und Sportler sind in Bertoldsheim beheimatet.
Zum 31.12.1976 endete die kommunale Selbstständigkeit, seit 01.01.1977 ist Erlbach Ortsteil der Marktgemeinde Rennertshofen.
Die Bürgermeister von Erlbach, soweit bekannt:
|
(1822) |
Joseph Reiner | Gemeinde-Vorsteher | Hs.Nr. 4 |
| -1899 | Johann Lang | Bgm. | Hs.Nr. 10 |
| 1899- | Johann Karrmann | Hs.Nr. 17 | |
| (1913) | Josef Frei | Hs.Nr. 2 | |
| (1929) | Georg Lang | Hs.Nr. 11 | |
| (1934) | Andreas Biber | Hs.Nr. 14 | |
| Juli 1945 – Dez. 1976 | Ulrich Kaufmann | Hs.Nr. 9 | |
ein Zeitungsartikel vom 09.03.1968 der Neuburger Rundschau:
Drittkleinste Gemeinde besitzt zentrale Wasserversorgung
Ausgebaute Strassen erfreuen den Besucher der drittkleinsten Gemeinde des Neuburger Landkreises. Seit Jahr und Tag versieht Olga Braun den Mesnerdienst in Erlbach. Einmal in der Woche wird in der Kapelle, dem Gotteshaus der Gemeinde eine Messe gelesen.
Fast andachtsvoll, so möchte man sagen, zieht die alte Frau am Glockenseil. Weithin klingt das Zwölfuhrläuten über das hügelige Land. Der Himmel darüber zeigt ein schattiertes Grau, das nur ab und zu und auch dann nur für ganz kurz ein himmelblauer Flecken unterbricht. Die Frau heißt Olga Braun . Seit Jahrszehnten versieht sie in der Kapelle, dem Gotteshaus von Erlbach , Mesnerdienst. Für nicht wenig Geld – in einem Falle wendete die Gemeinde 8000 DM auf – ist die Kapelle in den vergangenen Jahren innen und außen renoviert worden. Das neue Ziegeldach schimmert noch hellrot. Leider hatte der alte Kastanienbaum, der vor dem Gotteshaus stand, mit seinen Wurzeln das Gebäude untergraben, so dass bedenkliche Risse in den Mauern entstanden. Der Baum musste gefällt werden. Das schadhafte Mauerwerk aber steht zur Reparatur an. Das bedeutet Schröpfung des an und für sich schon so kleinen Gemeindesäckels.
Erlbach ist mit seinen 98 Einwohnern die drittkleinste Gemeinde des Neuburger Landkreises. Da gilt es, jeden Pfennig zweimal umzudrehen, ehe er ausgegeben wird. Bürgermeister Ulrich Kaufmann weiß davon ein Lied zu singen, steht er der Gemeinde doch schon seit Juli 1945 vor. Damals setzten ihn die Amerikaner in sein Amt ein, aber schon bei der ersten Wahl schenkten ihm die Erlbacher ihr Vertrauen. Das ist bis heute so geblieben. Das gute Einvernehmen ist auf Gegenseitigkeit aufgebaut. Das Gemeindeoberhaupt unterstreicht in seinem Gespräch mit uns wiederholt die Aufgeschlossenheit seiner Untertanen, wenn es darum geht, ein notwendiges Projekt in die Tat umzusetzen.
Das ist nicht immer leicht, wenn man bedenkt, dass von den 23 Haushaltungen, die Erlbach zählt, 17 landwirtschaftliche Betriebe sind, von denen der größte nur 60 Tagwerk besitzt. Die Mehrzahl der Landwirte muss sich also noch einen anderen Verdienst suchen. Mit 25 ist daher die Zahl der Pendler hoch. Die meisten von ihnen gehen in Neuburg und in Rennertshofen in Arbeit. Da weder Industrie noch zahlreiche Gewerbebetriebe vorhanden sind – der Umsatz der Gastwirtschaft und der Flaschenbierhandlung ist zu klein – so wird der Gemeindesäckel nur von der Grundsteuer gefüllt. Die Hebesätze liegen einheitlich bei 400 Prozent. Von rund 70 Heimatvertriebenen und Flüchtlingen, die im Zuge des Zweiten Weltkrieges und der ersten Nachkriegsjahren nach Erlbach verschlagen wurden, sind heute nur noch drei ansässig. Der fehlenden Arbeitsplätzen wegen war für die Vertriebenen Erlbach nur eine Durchgangsstation. Das war es allerdings auch für 500 polnische Kriegsgefangene. ,,Gott sei Dank’’, sagen die Erlbacher noch heute, wenn sie an diesen ,,Kriegsschaden’’ zurückdenken. ,,Unsere Soldaten haben die Polen mitgebracht und ausgerechnet bei uns zurückgelassen. Wir hatten für diese Menschen damals gar nicht genug Unterbringungsmöglichkeiten in den Wohnhäusern. So mussten wir die Kriegsgefangenen auch in Scheunen einquartieren.’’ Eine der ersten Amtstätigkeiten unter den Amerikanern war für Bürgermeister Kaufmann, für die Polen die entsprechende Verpflegung herbeizuschaffen. ,, Wir mussten mit Fuhrwerken das Brot zusammenholen und auch das Vieh. Selbst waren wir gar nicht in der Lage, die vielen Leute zu verpflegen.’’ Nun diese Zeiten sind vorüber. Heute haben die Erlbacher ganz andere Sorgen; allerdings nicht mit dem Straßenbau. Schon vor zwei Jahren hat die kleine Gemeinde in dieser Richtung gearbeitet und im Vorjahr konnte der Rest erledigt werden. Heute hat Erlbach seine 700 Meter Ortswege ausgebaut und sogar mit Gehsteigen versehen. 110 000 bis 115 000 DM mussten dafür aufgewendet werden. Das belastet uns heute noch stark meint der Bürgermeister, der bei dieser Gelegenheit nicht vergisst, Landrat Wolf und dem Landratsamt Dank für die Unterstützung bei diesem Projekt zu sagen. ,, Der Kreisbautrupp hat uns beim Straßenbau sehr geholfen’’, betont das Gemeindeoberhaupt.
Außer der Oberflächenentwässerung ist auf dem Gebiet der Kanalisation noch nichts unternommen worden. Erst müssen die Kosten für den ausgeführten Straßenbau verdaut sein. Dagegen besitzt Erlbach eine zentrale Wasserversorgung. Die Gemeinde ist der Klingenberggruppe angeschlossen. Pro Anschluss mussten 1500 DM bezahlt werden. Die notwendigen Arbeiten für den Anschluss wurden noch vor dem Ausbau der Straßen ausgeführt.
Im Jahr zwei bis drei Bürgerversammlungen
Dadurch, dass bereits in Jahren 1959 bis 1964 im Ort die Flurbereinigung durchgeführt wurde, konnten auch die Verbindungswege nach Rennertshofen und Trugenhofen ausgebaut werden. Die Gemeinde Erlbach hat dafür 12 000 DM beziehungsweise 5000 DM Zuschüssen geleistet. Das Ergebnis ist, dass der kleine Ort, der so malerisch, zwischen Hügeln des Juraausläufer liegt, heute auf breiten Teerstraßen zu erreichen ist.
Eine eigene Schule besitzt Erlbach nicht. Die 13 Schulkinder gehen zum Unterricht in das etwa zwei Kilometer entfernte Bertoldsheim. Rund 100 DM zahlt die Gemeinde als Mitglied des dortigen Schulverbandes pro Kind. Aber nicht nur schulisch gehört Erlbach zu Bertoldsheim sondern auch kirchlich. Das ist nicht neu. ,,Grundherrlich und niedergerichtlich’’, wie es in alten Urkunden so schön heißt, gehört Erlbach schon vor Jahrhunderten zur Hofmark Bertoldsheim und seit dieser Zeit auch schon zur dortigen Pfarrei. Sonst ist eigentlich wenig über die Vergangenheit des kleinen Ortes bekannt. Von 1342 bis 1505 gehörte Erlbach zum bayrischen und von dieser Zeit an zum pfalzneuburgischen Landgericht Graisbach – Monheim. Das Kloster Niederschönenfeld besaß übrigens auch einen Hof in Erlbach.
Die Feuerwehr, der einzige Verein im Ort, besteht seit 1905. Heute tun 15 Aktive Dienst. Zwei Gruppen der Wehr besitzen bereits das Bronze Leistungsabzeichen. Die Wehr wurde 1965 mir einer neuen Motorspritze und einem Gerätewagen ausgerüstet. Das Feuerwehrhaus ist allerdings schon sehr alt. ,, Damit können wir keinen Start mehr machen’’, gibt der Bürgermeister offen zu. Er und seine sechs Gemeinderäte haben sich auch schon Gedanken über einen Neubau gemacht. Das einzige Hindernis, das einer Verwirklichung noch im Wege steht, sind die Finanzen. Bei den ins Auge gefassten Zukunftsprojekten aber steht an erster Stelle das Gerätehaus, so versichert uns der Bürgermeister. Er rechnet mit einem Kostenaufwand von 10 000 bis 20 000 DM. Diese hohe Summe ist auch der Grund dafür, dass ein fester Termin für den Baubeginn heute noch nicht genannt werden kann. Erwähnenswert ist bei der Feuerwehr noch, dass 1953/54 ein Löschweiher für 7000 DM angelegt worden ist.
Die Veteranen haben sich im Bertoldsheimer Kriegerverein organisiert, während die Sportler beim dortigen FC eine Heimat gefunden haben.
Bürgerversammlungen finden in Erlbach im Jahr zwei- bis dreimal statt. ,,Halt immer wenn es etwas Wichtiges zu besprechen gibt’’, meint das Gemeindeoberhaupt und unterstreicht damit, dass in diesem kleinen Dorf wirklich Gemeinschaftsgeist gepflegt wird. Es wäre schade, wenn durch Auflösung des Gemeindewesens diese praktizierte Demokratie beseitigt würde.